Ich liebe dich so sehr
Du raubst mir den Verstand
Kann nicht mehr atmen
in deiner Nähe
Ich liebe dich so sehr
Doch du, du spielst nur
Deine Lippen sind so süß
Du bist stark, doch ich bin stärker
Ich liebe dich so sehr,
lass mich nicht gehen
Es ist zu spät für uns
Als du zu mir gekommen bist
Ich liebe dich so sehr
Ein blutiger Kuss, die Zähne rot
Weis mich nicht zurück
Sonst muss ich sterben
Du machst mich wahnsinnig
Mit deinen Körper und deinem Geist
Am Morgen liegst du in meinen Armen
Weiß die Haut, die Augen tot
Gehauchte Küsse, salzige Haut, geheime Briefchen, Händchen halten, Sex, Liebe, Vertrauen…
Das war nichts für mich. Schon immer nicht. Wohl fühlte ich mich immer ohne, denn wie man schon sagt: ‚Wer’s nicht kennt, der’s nicht vermisst’.
Hässlich bin ich nicht, auch nicht groß oder klein, ich bin guter Durschnitt, eine normale junge Frau. Vielleicht ein bisschen verrückt, aber das kommt von ganz alleine, praktisch mit der Einsamkeit.
Die Welt war für mich schon immer ein großes ungelöstes Rätsel, eines, das noch zu schwierig ist, um es im Moment zu lösen. Gleichzeitig erschreckend, deprimierend und doch auf ihre Art erheiternd.
Das einzige, was Gott gut gemacht hat, was auch dringend nötig war, war die große Auswahl an Pflanzen. Ob man sie jetzt pflückt, schmort, raucht, ins Zimmer stellt, hackt, kocht, brät, beschneidet, umpflanzt, düngt, erntet oder säht, begießt, Möbel draus macht, isst, brüht, trocknet, züchtet, in Seiten von Büchern legt, einweicht oder einfach nur betrachtet- Pflanzen sind wunderbar. Sie sind geduldig und hören einen immer zu. Nun, das tut auch eine Wand, aber Blumen haben eine ihr ganz eigene Art. Ihr denkt, dass ich mit meinen fünfundzwanzig Jahren jetzt langsam anfange rumzuspinnen, aber so ist es nicht ganz, nicht wirklich, ich meine, klar ein bisschen schon aber ich meine, ist es geisteskrank, sich in Pflanzen zu verlieben?
Denn mir geschah es, urplötzlich und unvorbereitet verliebte ich mich, in einen Mann ganz aus Blättern und Erde und doch mit schlagendem Herzen und warmen Lippen.
Ob es Liebe auf den ersten Blick war? Ich weiß es nicht mehr. So wie ich mich nicht mehr an die Gesichter meiner Eltern erinnere, so erinnere ich mich auch nicht mehr an sein Gesicht. Ich habe es vergessen, das Einzige was übrig blieb, war eine Blume in meinen Garten vor dem Haus und sein Geruch; nach Wiesen und Wälder, Abenteuer und Morgentau.
Fernab von der Großstadt war es leicht, von Feen zu träumen.
Es war ein kühler Sommermorgen; ich hatte mal wieder nicht schlafen können in der Nacht und hatte sie zwei, drei Stunden mit rumwälzen und anschließenden ergebenden Bücher lesen verbracht, nun war es kurz vor Sonnenaufgang und ich wanderte durch die grünen Felder der Hügel.
Ich wanderte gerne zwischen den sanften Hügeln, schöpfte meine Kräfte bis ans Ende aus um traumlos schlafen zu können. Jeder Schritt entfernte mich ein wenig weiter von meiner Haustür weg und damit auch weg von Ordnung und Vernunft.
Mein Hund Loreley, eine stets hyperaktive Mischung zwischen irischen Wolfshund und Dogge eilte mir stets voraus und scheuchte Enten und Wild auf.
Doch diesmal war es kein Wild, das er aufscheuchte, sondern eine Gestalt ganz aus Grün. Eine Gestalt, die sich tief in mein Gedächtnis hineinbrannte, als ich sie ein zweites Mal sah.
Loreley winselte und rannte den Weg zurück, den wir gegangen waren.
Ich wollte auch rennen, doch meine nackten Füße konnten sich nicht von der Erde unter ihnen lösen. Wie erstart blieb ich stehen und wartete.
Auf was? Ich weiß es nicht mehr, doch letztendlich war das ausschlaggebend.
Er stand auf, es knarrte leise, als er seine Glieder streckte. Das dunkle Grün seiner Blätter hob sich auffallend von dem hellen Grün der Wiese ab. Blonder Weizen waren seine Haare, helle Rinde, glänzend war seine Haut, seine Augen waren jedoch Blau wie der Himmel, die Gesichtszüge markant, doch weich und nachgiebig. Seine Kleidung bestand aus Blättern und Ranken, wie ineinander gewoben, bildeten sie ein feines Muster. Er war groß, größer als ein normaler Mann, mit langen Beinen und Armen.
Ich wagte kaum zu atmen, als er auf mich zukam. Wieder roch es intensiv nach ihm, ich musste stark an mich halten, um nicht tief ein zu atmen.
Er streckte seine Hand nach mir aus und nahm eine Strähne langen kupferfarbenen Haares zwischen die Finger. Dann nahm er die Mütze von meinem Kopf, hielt sie ein paar Sekunden in der Hand und befühlte scheinbar verblüfft den weichen Wollstoff.
Der Blick seiner Augen fesselte mich ungewollt; ich hob langsam die Hand und berührte zaghaft seinen Arm, warm war er und geschmeidig, wie lebendiges Holz.
Er ist lebendiges Holz!, dachte ich und zuckte unwillkürlich zurück.
Hinter mir hörte ich Loreley bellen, rings um mich rauschten die Gräser im Wind, unter mir die sichere Erde, über mir der weite Himmel und vor mir, war er, oder eher es.
Er blinzelte, ich tat es ihm nach und als ich die Augen wieder aufschlug war er weg. Verwundert und erschrocken drehte ich mich um meine eigene Achse.
Wo war er hin?
Ich konnte ihn nirgends sehen, was eigentlich auch nicht verwunderlich war, da er sich perfekt an die Umgebung anpasste.
Elfen, wer glaubt schon an Elfen? Märchengeschichten für unvorsichtige Kinder…, oder?
Ich fühle mich schlecht, unwohl, als würde meine ganze bisherige Welt aus den Angeln gehoben werden. Alles, woran ich vorher glaubte, scheint auf einmal ungewiss.
Das Leben scheint nicht mehr wie vorher zu sein.
Eines Morgens stand ich auf und fand vor meiner Haustüre eine winzige Blume, klein, himmelblau, vollkommen, eine Vergissmeinnicht.
Als ich sie aufheben wollte, wand sich ihr Stiehl um meinen Finger.
Erschrocken wollte ich sie fallen lassen, doch ich konnte sie nicht abschütteln. Verstört erkannte ich, das sie wie eine Zeichnung gleich, jetzt auf meiner Haut lag.
Wie ein Ring aus Blumen.
Ich rannte vom Waschbecken zur Tür, riss diese auf, und schrie in die kalte Morgenluft „Ich will den Ring nicht! Nimm ihn wieder zurück, hörst du?!?“.
Doch es kam keine Antwort.
Und so ging es fortan immer weiter. Mein Garten schien auf einmal ein Eigenleben zu entwickeln, Pflanzen, Kräuter die ich nie zuvor gesehen hatte, sprossen auf einmal querfeldein zwischen meinen Blumen. Ich hatte immer das Gefühl beobachtet zu werden, blaue Augen die mich ansahen, mir folgten.
Gaben vor meiner Hausschwelle; Bernstein, Wachteleier, fein gearbeitete Schalen oder nützliche aus Horn gemachte Werkzeuge.
Ich wusste, dass er es war, das blauäugige Wesen, der grüne Mann aus den Geschichten meiner Mutter, er, der ewige Sommer, der Elf der um meine Gunst warb.
Obwohl ich nicht in den alten Glauben aufgewachsen bin, wusste ich doch die zahlreichen Geschichten um das unsterbliche Volk meiner Insel.
Männer und Frauen, die an Beltaine auf den Hügeln tanzten, verschwanden, und Wochen später verwirrt und um Jahre gealtert wieder auftauchten. Von gestohlenen Kindern, Wechselbälgern. Von Pilzkreisen und wilden Tänzen. Von entführten Jungfrauen und Kornkreise.
Er war gefährlich, versuchte ich mich immer wieder zu erinnern, doch zu häufig vergaß ich es sogleich, sobald ich seine Nähe fühlte.
Müde wischte ich mir die Erde von der Stirn und blinzelte gegen die untergehende Sonne. Langsam stand ich auf, klopfte die feuchte Erde von meinem Rock und schaute auf die Blumen nieder, die ich gerade eingepflanzt hatte. Lächelnd streckte ich meinen schmerzenden Rücken und fächelte mir mit meinem Strohhut Luft zu. Der Tag heute war drückend heiß gewesen, die Grillen sirrten laut und ein kühlender Wind strich um meine nackten Beine.
Plötzlich wurde es still und Loreley knurrte hinter mir.
Jemand ergriff meine Hand und berührte zart den Ringfinger.
„Ich sehe du hast den Ring gefunden, gefällt er dir?“
Erschrocken wirbelte ich herum, und da stand er vor mir. Nicht als Elf, sondern merkwürdiger Weise als Mensch. Seine Haare, blond und wild, schienen wie elektrisiert um seinen Kopf herum abzustehen, seine blauen Augen leuchteten in seinem ebenmäßigen Gesicht. Er trug ein einfaches gebleichtes Hemd, dass wegen der Hitze locker geschnürt am Kragen war und Hosen aus dunklem Leinen.
„Ich…“, ich war wie sprachlos in seiner Nähe, schluckte und antwortete dann.
„Dann ist es also wirklich ein Ring.“ Und dann „Ich bekomme ihn nicht mehr ab.“
Er lächelte, selbstsicher, standhaft und einnehmend, aber keinesfalls arrogant oder listig, sondern vertrauenserweckend.
Zu nett, zu anständig dieses Lächeln, dachte ich.
Schweigend hielt er meine Hand hoch, fuhr mit dem Daumen über den Ring. Die Blume fuhr zusammen, und blieb in meiner Hand liegen. Ich zuckte unmerklich zurück.
„Warum bist du hier?“
Überrascht von meinem harschen Ton sah er mich an. „Habe ich einen Grund anderswo zu sein?“
„Du solltest nicht hier sein.“
Er legte den Kopf leicht schief. „Wieso?“
„Wieso?!?“ Ich riss meine Hand aus seiner los. „Dies ist die Welt der Menschen! Die Welt ohne Magie. Du gehörst hier nicht hin. Also, wieso? Wieso bist du hier?“
Er lächelte, aber diesmal anders, offener, ehrlicher. „Wieso ich hier bin?“ Er beugte sich zu mir herunter, nahm meinem Strohhut vom Kopf und küsste mich zart und leicht.
„Rahel!“
Ein Ruf durchschoss die Stille.
Eine Frau kam hinter einer Hecke hervor, einen großen schwankenden Korb in der Hand. Mit flatternden Röcken und zielsicheren Schritten kam sie auf mich zu, hob den Hut vom Erdboden und drückte mir ihn in meinen zitternden Fingern.
„Mädchen, was hast du denn? Du zitterst ja und bist ganz bleich“, stieß sie nach einer eingehenden Musterung aus, hakte mich ein und ging ins Haus.
„Mir geht’s gut, wirklich Moira, nein, danke, für mich kein Tee.“
Moira, die Besitzerin des Lebensmittelsladens im Dorf und meine beste Freundin setzte die Teekanne enttäuscht ab und drehte den Wasserhahn zu, dann wandte sie sich energisch zu mir um und platzierte den Korb vor mir und packte ihn aus. Hervor kamen ein großer Schinken, Brot, Mehl, Hefe, eine Flasche Apfelschnaps, Seife, eingelegte Bohnen mit Soße, zwei Gläser Marmelade, Stickgarn. und neue Nadeln. Sie räumte die Sachen geschäftig in meiner kleinen Küche ein und legte dann zuletzt ein Paket und zwei Briefe vor mir auf dem Tisch.
„Beste Grüße von meinem Mann, du sollst nicht vom Fleisch fallen. Das Geld kannst du uns gebe, wenn du uns endlich mal wieder besuchst, die Kinder fragen schon nach dir.“
Moira besaß eine Energie die mich aufleben ließ, sie war schon seit meiner Kindheit meine beste Freundin und besuchte mich als Einzige regelmäßig und treuherzig.
Ich wünschte sie wäre nicht gerade in den Augenblick gekommen als er…, und doch, gleichzeitig hatte ich eine Unterbrechung herbei gesehnt. Es war merkwürdig.
„Rahel, dein Garten, du musst mir unbedingt erzählen wieso er so grünt und blüht, wir haben noch nicht einmal Juli und du erntest schon!“
Leise lächelte ich und antwortete „Ich stehe einfach im Moment mit der Natur auf einem grünen Zweig, weißt du.“
Moira sah mich mit einem merkwürdigen Lächeln an und wandte sich wieder dem Einräumen zu. „Du würdest mir erzählen, wenn dich irgendwas bedrückt, oder? Ich sehe es doch an deiner Nasenspitze. Komm schon, rück raus damit.“
„Es ist nichts, wirklich nichts, die Hitze hat mir etwas zu schaffen gemacht“, log ich und fühlte mich ein bisschen schuldbewusst. Doch was wäre, wenn ich Moira von dem Mann in Grün erzählen würde. Würde sie mir diese Feengeschichte glauben?
Was anfänglich harmlos und nüchtern begonnen hatte, entwickelte sich, je öfter er mich besuchte, zu etwas Kostbarem, ja etwas, was ich nie mehr hergeben wollte.
Die anfängliche Scheu war wie verflogen, die Stunden die wir verbrachten zu kurz und die Tage dazwischen zu lang.
Wir redeten, viel und lange. Wir liebten uns, mal zärtlich, mal leidenschaftlich, mal stürmisch. Wir lachten, scherzten und lachten wieder.
Wir waren blind, in unserer verbotenen Liebe, blind für die Zeichen, die uns die Natur schickte. Als Loreley eines Abends nicht mehr wiederkehrte, tat ich es als nicht besonders ab. Sie würde früher oder später wieder auftauchen, dachte ich.
Doch dem war nicht so.
Als ich Loreley letztendlich fand, waren zwei Tage vergangen. Auf der Suche nach ihr, fand ich einen großen Hain der am Rand mit hohen stolz Aussehenden Rosen bewachsen war. In der Mitte dieses Hain, war ein kleiner Hügel, über und über bewachsen mit Rosen.
Schnell wollte ich diese Stelle im Wald verlassen, denn sie erschien mir nicht geheuer, doch etwas auf diesem Rosenhügel stach mir ins Auge. Ich bückte mich und hob einen kleinen, silbernen Anhänger hoch.
Als Moira mir Loreley zu meine Geburtstag schenkte, trug der Welpe genau diesen Anhänger.
Das Metall lag kalt in meiner Hand, als ich den Hügel genauer untersuchte, und feststellte, das mein geliebter Hund an dieser Stelle begraben lag.
Tote Augen starrten mich an. Aus dem weit geöffneten Maul sprossen Rosen, Dornen hatten sich tief in die Haut gegraben, aus Löchern in ihren Fell wuchsen Ranken, die wie ein Geflecht den Körper bedeckten.
Entsetzt schlug ich mir die Hand vor dem Mund und wimmerte. Tränen flossen mir über die Wangen.
Die Elfen hatten Loreley geholt.
Ich rannte zurück, durch den Wald. Äste und Dornen rissen mir Arme und Beine auf. Brennnesseln stachen in meine Haut, doch ich rannte immer weiter.
Als ich Zuhause angekommen war, schloss ich die Tür zweimal ab und lies die Laden vor den Fenstern.
Aber als mir einfiel, das Elfen keine Türen brauchten, erinnerte ich mich an meine Abergläubische Großmutter, die immer Salz um das Haus gestreut hatte, um böse Geister abzuwehren, wie sie sagte.
Ich nahm einen Beutel Salz aus den Regalen, stieg auf mein Bett und streute einen Kreis ringsherum. Als ich fertig war kauerte ich mich auf meinem Bett und wartete. Vielleicht auf die Elfen, vielleicht auf meinem Geliebten, vielleicht auf ein Wunder, vielleicht auch auf Loreley.
Ich wachte von einem Geräusch auf. Schnell setzte ich mich auf und sah mich im Raum um.
Rings um meinem Bett standen Gestalten, hoch gewachsen und bedrohlich.
Ich fing an zu zittern als ich erkannte das es Elfen waren.
Es waren vielleicht neun, zehn in weiten dunklen Umhängen, ihre Gesichter hatten etwas Befremdliches, als hätte jemand versucht aus etwas groben, hölzernen menschliche Gesichtszüge zu formen.
„Was wollt ihr?“, meine Stimme hörte sich schrill an in meinen Ohren.
„Du wirst ihn nie wieder sehen, Menschenfrau“, sprach einer von ihnen und ging auf mich zu.
Plötzlich hielt er mitten in der Bewegung inne und stieß ein heiseres Lachen aus. „Salz? Meinst du, du kannst mich mit einer Prise Salz aufhalten?“
Er murmelte etwas, woraufhin sich Wind erhob und das Salz wegwehte.
Der Elf lächelte bedrohlich und kam auf mich zu.
Schnell griff ich unter mein Kopfkissen und holte eine Schachtel heraus.
Ich nahm eine Hand voll von dem Inhalt und bewarf damit die Elfen.
Es zischte und Schreie erschallten, als die Nägel die bloße Haut der Elfen berührten. Für Elfen war Eisen Gift.
„Deswegen habe ich auch noch das hier“, stieß ich aus, sprang vom Bett und rannte zur Tür.
Ich wusste nicht was ich machen sollte, stürmte nach draußen und rannte in Jemanden hinein. Verzweifelt wehrte ich mich, aus Angst das es ein anderer Elfenkrieger sein könnte. Wir fielen beide hin, er auf mir und umklammerte meine Handgelenke, doch als er sprach, hörte ich auf, auf ihn einzuschlagen, es war die Stimme von Jehiel.
„Rahel, was…?“
Auf einmal hörte ich einen Aufschrei und eine dumpfe Bewegung Jehiels.
Stimmen wurden laut. Harsche Stimmen, die Befehle flüsterten. Jehiels Stimme dazwischen.
„Was macht ihr hier?“
„Herr, man hat uns befohlen..“
„Die Königin, oder?“ Ich merkte wie er aufstand und stöhnte. Etwas ragte aus seinem Rücken.
„Sagt meiner Mutter das ich hier bleiben werde, für immer, hört Ihr? Und wenn noch einmal ein anderer Elf als ich, sich dieser Frau hier nähert, werde ich ihn umbringen! Verstanden?“
„Herr, der Pfeil, ihr werdet…“
Jehiel packte den Elf an den Schultern und wuchtete ihn gegen die Hausmauer. „Verstanden?!?“
Die Elfenkrieger sahen sich stumm an.
„Verschwindet!“, stieß Jehiel hervor, bevor er sich zu mir umdrehte. Sein Gesicht hatte nicht mehr den bronzene Ton, den ich an ihm kannte, sondern war grau. Ich bemerkte das er zitterte.
„Jehiel, was…?“
Er fiel nach vorne, bevor ich den Satz zu Ende bringen konnte.
Es vergingen Tage, Wochen, bis die Wunde sich vollständig geschlossen hatte, und auch dann war Jehiel nur noch ein Abbild seiner selbst.
Der vergiftete Pfeil, der mich treffen sollte hatte langsam seine Kraft aufgezerrt.
Die Elfenritter, Söldner seiner Mutter, sollten mich umbringen, weil ich eine Gefahr für die Thronfolge darstellte. Jehiel war der Sohn der Königin des unseligen Hofes.
Durch missglückte diese Tat hatte sie nicht nur ihren Sohn, sondern auch die Zukunft des Hofes verspielt. Ich könnte nicht sagen, das es mich geschockt hätte, aber beruhigt nun auch wieder nicht.
Ich pflegte ihn, liebte ihn, beruhigte ihn. Ich war für ihn da, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde. Jeder Augenblick schien mir kostbarer als der dahingegangene.
Als ich ihm mitteilte, das ich schwanger sei, schenkte er mir aus Freude einen Ring. Ganz anders als der Blumenring war es aus purem Silber, mit einem kleinen, fein gearbeiteten Edelstein in der Mitte. Ich legte ihn nie wieder ab.
Monate später, gerade als es so aussah, als würde er sich erholen, erlitt er einen fatalen Rückfall. Ich sah noch wie er auf den Boden sank und reglos in meinen Tulpen liegen blieb. Ich stieß einen Schrei aus und eilte zu ihm.
Seine Lippen waren bleich, und über seiner Haut lag ein dünner Schweißfilm. Doch als er die Augen öffnete, war sein Blick voller Liebe, fiebrig und verschwommen.
„Ich dachte, Elfen wären unsterblich“, weinte ich an seiner Schulter.
„Das sind sie auch.“
„Wieso erholst du dich dann nicht?“
Er streichte mir zart durchs Haar und lächelte. „Ich sterbe gerne, wenn ich dein Leben retten konnte. Deines und seines.“ Er legte seine zitternde Hand auf meinem runden Bauch.
„Jehiel, du stirbst nicht, hörst du?“
„Ich werde versuchen deinen Rat zu folgen, Rahel“, sagte er leise und küsste meine Hand.
Zwei Tage später setzten bei mir die Wehen ein. Am nächsten Morgen gebar ich einen Jungen. Seine kleinen perfekten Hände lagen wie frisches Laub in meiner Hand, zart und bronzefarben.
Doch unsere Freude währte nicht lange. Unser Junge war schwach, er fing an zu kränkeln, trank nur noch halbherzig, schlief schlecht.
Verzweifelt wandte ich mich an Jehiel. „Können wir nicht irgendetwas machen?“
„Es ist kein normales Kind, wir können nicht zum.., wie sagt ihr, Arzt? Und ich kann ihm nicht selber einen Schutzzauber anlegen, damit er normal aussieht.
Aber es gibt noch eine Möglichkeit.“
„Was wäre diese Möglichkeit?“
Er kniff die Lippen zusammen und wandte sich ab. „Lass uns zuerst mal hoffen das er sich erholt.“
Doch er wurde nicht gesund, sonder immer schwächer, es war, als würde ein Fluch über meine kleine Familie liegen.
Es war ein ganz normaler Morgen, doch er würde mir ewig im Gedächtnis bleiben denn mein kleiner Sohn hörte an diesem Tag auf zu atmen.
Ich stieß einen Schrei aus, der Jehiel alarmierte; er sprang aus dem Bett eilte zur Wiege und nahm seinen kleinen Sohn in den Arm.
„Rahel, indem was ich jetzt tue, darfst du mich nicht unterbrechen, hörst du?“
Stumm nickte ich. Er kam zu mir herübe rund küsste mich zärtlich.
„Ich liebe dich, denk daran.“
Ich wollte etwas sagen, doch er schnitt mir das Wort ab.
Jehiel legte sich auf unser Ehebett und bettete den Kleinen neben sich. Er legte beide Hände auf sein Herz und summte leise.
Ich musste eingenickt sein, denn ich wachte von dem Schreien eines Säuglings auf. Mein kleiner Sohn regte sich neben seinem Vater. Er lebte, atmete und schrie.
Ich weiß bis heute nicht, was Jehiel getan hatte, sicher ist, das er seien Kraft auf den Säugling übertragen hatte. Er hatte sein Leben geopfert, damit er weiter leben konnte.
Moira hatte ich alles erzählt, wir begruben ihn in meinem Garten, an dem Platz wo Jehiel am liebsten gesessen hatte.
„Oma!“ Ich legte mein Buch zur Seite und nahm den übermütigen Vierjährigen in den Arm.
„Oh, holla Sean, du bist aber groß geworden!“
Er lächelte ein Spitzbubenlächeln. Hinter ihm tauchte sein Vater auf. Auch noch heute wenn ich ihn sehe, schnürt es mir vor Liebe die Kehle zu. Er sah seinem Vater sehr ähnlich, beide hoch gewachsen, stark und doch mit der Anmut einer Katze auf der Lauer. Er nahm mich in seine Arme und gab mir einen Kuss.
„Mama, schön dich zu sehen.“
Wir trennten uns, er nahm seinen Sohn auf die Schulter, und folgte mir ins Haus.
„Was hast du da draußen gemacht, Oma? Hast du wieder mit dem Baum geredet?“
Ich lächelte melancholisch. „Ach, du weißt ja, alte Leute werden im Alter merkwürdig.“ Lange sah ich meinem Sohn an, er erwiderte meinem Blick und lächelte.
„Lass dir nichts erzählen, du weißt doch zu was wir werden, wenn wir mal sterben, oder?“
„Ohja, mich gruselts noch immer wenn ich einen Apfel esse, und daran denke, das der Baum einst ein Elf sein könnte.“
„Sag, kleiner Prinz, wie geht’s der Königin?“
„Mama, geht’s gut, sie sagt, du musst sie bald besuchen kommen, bevor der Winter einsetzt. Denn dann wird meine kleine Schwester bestimmt schon da sein.“
Ich hob eine Augenbraue. „Schwester, so so. Scheint als wüsstest du ganz genau was du willst.“
„Nunja, wenn man so ein störrisches Volk wie das unsere beherrschen will, muss man ja wissen, was man will oder?“
Oh, dachte ich, da spricht der König der Elfen. .